Demenz-Wissen-Frage: Was ist die Integrative Validation nach Richard?

Die Integrative Validation (IVA) nach Nicole Richard ist eine Kommunikations- und Umgangsmethode für Menschen mit Demenz. Sie wurde von der deutschen Psychogerontologin Nicole Richard entwickelt und baut auf den Grundgedanken der Validation auf, wurde jedoch für die praktische Arbeit in Pflege und Betreuung weiterentwickelt.

Im Mittelpunkt der Integrativen Validation steht die Haltung, den Menschen mit Demenz in seiner eigenen Wirklichkeit anzunehmen und seine Gefühle, Bedürfnisse und Erfahrungen wertzuschätzen. Dabei geht es nicht darum, den Menschen zu korrigieren oder ihn wieder in die gemeinsame Realität zurückzuführen. Entscheidend ist vielmehr, seine emotionale Wirklichkeit zu verstehen und darauf einzugehen.

Menschen mit Demenz erleben ihre Umwelt aufgrund der Erkrankung häufig anders. Sie greifen verstärkt auf frühere Erfahrungen, Erinnerungen und persönliche Werte zurück. Aussagen oder Verhaltensweisen, die für Außenstehende manchmal unverständlich erscheinen, haben häufig eine innere Bedeutung. Die Integrative Validation versucht, diese Bedeutung zu erkennen und die dahinterliegenden Gefühle anzusprechen.

Ein Beispiel:

Ein Mensch mit Demenz sucht wiederholt nach seiner verstorbenen Mutter und sagt: „Ich muss nach meiner Mutter schauen.“

Eine korrigierende Antwort wäre: „Ihre Mutter ist doch schon lange verstorben.“

Eine validierende Antwort könnte sein: „Ihre Mutter war Ihnen sehr wichtig. Sie haben sich immer um Ihre Familie gekümmert und Verantwortung übernommen.“

Hier wird nicht die Tatsache bestätigt, sondern das Gefühl dahinter – beispielsweise Fürsorge, Liebe oder Verbundenheit – wird wahrgenommen und anerkannt.

Die Integrative Validation arbeitet vor allem mit zwei wichtigen Elementen:


1. Gefühle und Antriebe erkennen
Die Betreuungskraft versucht zu verstehen, welche Gefühle oder Bedürfnisse hinter einer Aussage oder einem Verhalten stehen. Dies können beispielsweise sein:
  • Sicherheit und Geborgenheit
  • Anerkennung und Wertschätzung
  • Pflichtgefühl und Verantwortung
  • Sehnsucht nach früheren Beziehungen
  • Angst oder Unsicherheit


2. Diese Gefühle wertschätzend aufgreifen
Die Pflege- oder Betreuungskraft nimmt die Gefühle auf und gibt sie in einer wertschätzenden Form zurück. Dadurch entsteht eine Verbindung zwischen der betroffenen Person und ihrer Umgebung.

Weitere wichtige Grundsätze der Integrativen Validation sind:
  • Der Mensch mit Demenz wird als Person mit einer eigenen Lebensgeschichte gesehen.
  • Gefühle werden ernst genommen, auch wenn die Erinnerungen oder Aussagen nicht mit der aktuellen Realität übereinstimmen.
  • Kommunikation findet auf Augenhöhe statt.
  • Verhalten wird als Ausdruck eines Bedürfnisses verstanden und nicht nur als Störung betrachtet.

 
Die Beziehung und das gegenseitige Vertrauen stehen im Mittelpunkt.
Ein wichtiger Unterschied zur klassischen Validation nach Naomi Feil besteht darin, dass die Integrative Validation nach Richard stärker auf die praktische Anwendung im Pflegealltag ausgerichtet ist. Sie arbeitet mit klaren Gesprächstechniken und hilft Pflege- und Betreuungskräften dabei, Menschen mit Demenz in schwierigen Situationen besser zu verstehen und angemessen zu begleiten.

Die Integrative Validation kann besonders hilfreich sein bei Situationen wie Unruhe, wiederholten Fragen, Rückzug, Angst oder scheinbar unverständlichen Aussagen. Sie unterstützt dabei, Konflikte zu vermeiden und eine Atmosphäre von Sicherheit und Wertschätzung zu schaffen.


Zusammenfassung

Die Integrative Validation nach Nicole Richard ist eine wertschätzende Kommunikationsmethode für Menschen mit Demenz. Sie hilft Pflege- und Betreuungskräften dabei, die Gefühle, Bedürfnisse und Lebenserfahrungen hinter Aussagen und Verhaltensweisen zu verstehen und darauf einzugehen. Nicht die Korrektur der Realität steht im Mittelpunkt, sondern die Beziehung, das Verständnis und die emotionale Sicherheit des Menschen mit Demenz.

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