Warenkunde - Die Geschichte der Gurke
Die Gurke gehört für viele Senioren zu den vertrauten Lebensmitteln, die mit Erinnerungen an Kindheit, Familie und frühere Zeiten verbunden sind. Kaum ein anderes Gemüse bietet so viele Möglichkeiten, gemeinsam ins Gespräch zu kommen und persönliche Erinnerungen wach werden zu lassen. Die Geschichte der Gurke nimmt die Teilnehmer mit auf eine Reise durch die Vergangenheit und zeigt, wie die Gurke ihren Weg in unsere Gärten, Küchen und auf unsere Teller gefunden hat. Dabei wird deutlich, welche Bedeutung die Gurke im Laufe der Zeit als beliebtes und vielseitiges Gemüse gewonnen hat.
Nach dem Vorlesen der Geschichte können verschiedene Aktivierungsideen eingesetzt werden, die sich ganz unkompliziert an die Interessen und Fähigkeiten der Senioren anpassen lassen. Dabei können die Sinne angesprochen, das Gedächtnis aktiviert und vertraute Erinnerungen geweckt werden. Auch Bewegung, Sprache, Wahrnehmung und bekannte Bräuche oder Zubereitungsarten rund um die Gurke lassen sich spielerisch einbeziehen.
Besonders schön ist es, wenn die Senioren von eigenen Erfahrungen erzählen, zum Beispiel vom Anbau im eigenen Garten, vom Einlegen von Gurken, von der Gurkenernte oder von früheren Lieblingsgerichten mit Gurken. Vielleicht erinnern sich einige auch an den Gemüsegarten der Eltern oder Großeltern und an die Arbeit, die dort früher selbstverständlich dazugehört hat. So wird aus der Geschichte nicht nur eine informative Einheit, sondern ein lebendiger Anlass zum Erinnern, Erzählen, Mitmachen und gemeinsamen Erleben.
Nach dem Vorlesen der Geschichte können verschiedene Aktivierungsideen eingesetzt werden, die sich ganz unkompliziert an die Interessen und Fähigkeiten der Senioren anpassen lassen. Dabei können die Sinne angesprochen, das Gedächtnis aktiviert und vertraute Erinnerungen geweckt werden. Auch Bewegung, Sprache, Wahrnehmung und bekannte Bräuche oder Zubereitungsarten rund um die Gurke lassen sich spielerisch einbeziehen.
Besonders schön ist es, wenn die Senioren von eigenen Erfahrungen erzählen, zum Beispiel vom Anbau im eigenen Garten, vom Einlegen von Gurken, von der Gurkenernte oder von früheren Lieblingsgerichten mit Gurken. Vielleicht erinnern sich einige auch an den Gemüsegarten der Eltern oder Großeltern und an die Arbeit, die dort früher selbstverständlich dazugehört hat. So wird aus der Geschichte nicht nur eine informative Einheit, sondern ein lebendiger Anlass zum Erinnern, Erzählen, Mitmachen und gemeinsamen Erleben.
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Die Geschichte der Gurke
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Kapitel 1: Vorwort
Ein römischer Kaiser war so begeistert von einem bestimmten Gemüse, dass seine Gärtner dafür eine Art Gewächshaus entwickeln mussten. Ein französischer General lobte eine enorme Belohnung aus, weil seine Soldaten nicht an feindlichen Kugeln starben, sondern am Hunger. Und ein Gemüse, das zu rund 97 Prozent aus Wasser besteht, beeinflusste trotzdem die Geschichte ganzer Reiche.
Das alles ist die Geschichte der Gurke.
Doch sie beginnt weder in Rom noch in Frankreich, sondern an einem Ort, den kaum jemand erwarten würde: am Fuß des Himalaya im heutigen Nordindien.
Dort wächst noch heute eine kleine, bittere Frucht, die man auf keinem gewöhnlichen Markt kaufen würde. Cucumis sativus war. So lautet der wissenschaftliche Name der Gurke. Die wilde Form sieht aus wie eine winzige Version der Gurken, die wir aus dem Supermarkt kennen. Sie ist kaum größer als ein Daumen, besitzt eine dicke, stachelige Schale und schmeckt eher bitter als frisch und knackig.
Niemand würde freiwillig hineinbeißen. Trotzdem ist diese unscheinbare Wildpflanze am Südhang des Himalaya der direkte Vorfahre der Gurken, die heute weltweit angebaut werden. Jeder Salatgurke, jedem Cornichon und jeder Gewürzgurke liegt letztlich diese Pflanze zugrunde.
Forscher gehen davon aus, dass Menschen in den feuchten Ebenen Nordindiens die Wildform vor etwa 4.000 Jahren gezielt anbauten. Doch Archäologen haben in Höhlen an der Grenze zwischen dem heutigen Thailand und Myanmar Gurkensamen gefunden, die fast 10.000 Jahre alt sind.
Ob diese Samen von kultivierten oder wilden Pflanzen stammen, ist bis heute umstritten. Sicher ist jedoch, dass die Beziehung zwischen Mensch und Gurke sehr viel älter ist, als die meisten vermuten würden.
Sie reicht zurück in eine Zeit, als Europa noch von dichten Wäldern bedeckt war und der Ackerbau auf dem Kontinent gerade erst begann.
Ein römischer Kaiser war so begeistert von einem bestimmten Gemüse, dass seine Gärtner dafür eine Art Gewächshaus entwickeln mussten. Ein französischer General lobte eine enorme Belohnung aus, weil seine Soldaten nicht an feindlichen Kugeln starben, sondern am Hunger. Und ein Gemüse, das zu rund 97 Prozent aus Wasser besteht, beeinflusste trotzdem die Geschichte ganzer Reiche.
Das alles ist die Geschichte der Gurke.
Doch sie beginnt weder in Rom noch in Frankreich, sondern an einem Ort, den kaum jemand erwarten würde: am Fuß des Himalaya im heutigen Nordindien.
Dort wächst noch heute eine kleine, bittere Frucht, die man auf keinem gewöhnlichen Markt kaufen würde. Cucumis sativus war. So lautet der wissenschaftliche Name der Gurke. Die wilde Form sieht aus wie eine winzige Version der Gurken, die wir aus dem Supermarkt kennen. Sie ist kaum größer als ein Daumen, besitzt eine dicke, stachelige Schale und schmeckt eher bitter als frisch und knackig.
Niemand würde freiwillig hineinbeißen. Trotzdem ist diese unscheinbare Wildpflanze am Südhang des Himalaya der direkte Vorfahre der Gurken, die heute weltweit angebaut werden. Jeder Salatgurke, jedem Cornichon und jeder Gewürzgurke liegt letztlich diese Pflanze zugrunde.
Forscher gehen davon aus, dass Menschen in den feuchten Ebenen Nordindiens die Wildform vor etwa 4.000 Jahren gezielt anbauten. Doch Archäologen haben in Höhlen an der Grenze zwischen dem heutigen Thailand und Myanmar Gurkensamen gefunden, die fast 10.000 Jahre alt sind.
Ob diese Samen von kultivierten oder wilden Pflanzen stammen, ist bis heute umstritten. Sicher ist jedoch, dass die Beziehung zwischen Mensch und Gurke sehr viel älter ist, als die meisten vermuten würden.
Sie reicht zurück in eine Zeit, als Europa noch von dichten Wäldern bedeckt war und der Ackerbau auf dem Kontinent gerade erst begann.
Kapitel 2: Die Gurke als Überlebenshilfe in Indien
Die frühen Bauern in den Flusstälern Nordindiens erkannten schnell den Nutzen dieser Pflanze.
In einer Region, in der die Temperaturen im Sommer regelmäßig über 40 Grad steigen, war eine Frucht, die fast nur aus Wasser besteht, ein natürlicher Durstlöscher.
Die Gurke wurde damals allerdings nicht unbedingt so gegessen, wie wir es heute kennen. Feldarbeiter in der Hitze schnitten die Frucht auf und pressten den Saft direkt in den Mund.
Auch in der ayurvedischen Medizin, die in Indien seit Jahrtausenden praktiziert wird, galt die Gurke als kühlendes Mittel gegen innere Hitze und als Unterstützung bei Fieber und Erschöpfung.
Die Gurke war damit weit mehr als ein einfaches Lebensmittel. Sie konnte in heißen Regionen zur Überlebenshilfe werden.
Kein Wunder also, dass sie sich nicht auf ihre ursprüngliche Heimat am Himalaya beschränkte.
Wo immer Händler und Wanderer sie hinbrachten, wurde sie angebaut. Zuerst breitete sie sich in die heißen Tiefebenen Südindiens aus, anschließend nach Osten in Gebiete des heutigen Myanmar und Thailands.
Im Südwesten Chinas baut beispielsweise das Volk der Hani in der Provinz Yunnan eine eigene Gurkenvarietät an. Ihre Triebe können mehrere Meter lang werden, ihre Früchte mehrere Kilogramm wiegen und die Schale kann sogar leuchtend orange sein.
Trotz ihres ungewöhnlichen Aussehens ist diese Gurke genetisch eindeutig mit unserer heutigen Salatgurke verwandt.
Von Indien wanderte die Gurke auch nach Westen. Über die Handelswege des Altertums gelangte sie mit Karawanen durch Persien und über die Häfen des Indischen Ozeans in weitere Regionen.
Aus dem Gebiet des heutigen Irak stammen einige der ältesten bekannten schriftlichen Beschreibungen der Gurke. Sie reichen bis in die Zeit vor Christus zurück.
Mesopotamische Händler brachten die Samen über den Persischen Golf nach Ägypten und von dort weiter an die Küsten des Mittelmeers.
Ob die Gurke bereits früher in Ägypten bekannt war, ist nicht eindeutig geklärt. In einigen Bibelübersetzungen taucht das Wort „Gurke“ auf, wenn die Israeliten sich an die Lebensmittel Ägyptens erinnern. Manche Forscher vermuten jedoch, dass damit eher Melonen gemeint waren, weil Gurken, Melonen und Kürbisse in antiken Quellen oft nicht eindeutig voneinander unterschieden wurden.
Kapitel 3: Tiberius und die ersten Gewächshäuser
Die alten Griechen kannten die Gurke und schätzten sie nicht nur als Nahrungsmittel, sondern auch in der Körperpflege.
Das griechische Wort für Gurke war „Sikyos“. In den Schriften griechischer Ärzte erscheint sie unter anderem als feuchtigkeitsspendendes Mittel.
Griechische Frauen sollen den Saft der Gurke verwendet haben, um ihre Haut feucht und geschmeidig zu halten. Die berühmten Gurkenscheiben auf den Augen, die wir heute aus Kosmetik und Wellness kennen, haben damit eine sehr lange Vorgeschichte.
Der wissenschaftliche Hintergrund, der heute für die Anwendung von Gurkenextrakten genannt wird, hängt unter anderem mit Inhaltsstoffen der Gurkenschale zusammen.
Die eigentliche Liebesgeschichte zwischen Mensch und Gurke begann jedoch in Rom.
Als die Gurke in den Mittelmeerraum gelangte, wurde sie an den Tafeln der römischen Oberschicht zu einem begehrten Lebensmittel.
Plinius der Ältere beschrieb die Gurke in seiner „Naturalis Historia“ als das Lieblingsgemüse von Kaiser Tiberius.
Tiberius meinte es offenbar ernst. Er soll darauf bestanden haben, jeden Tag frische Gurken zu bekommen – auch im Winter und auf Reisen.
Das Problem war offensichtlich: Gurken sind wärmeliebende Pflanzen. Ein römischer Winter war für sie lebensgefährlich.
Doch einem Kaiser sagte man nicht einfach, etwas sei unmöglich.
Also wurden die Gärtner erfinderisch. Plinius berichtet von Beeten auf Rädern, die bewegt werden konnten. Tagsüber wurden sie in die Sonne geschoben. Wenn sich das Wetter verschlechterte, brachte man die Pflanzen in geschützte Bereiche.
Dabei verwendeten die Römer durchscheinende Minerale als eine Art frühes Fenstermaterial. Sonnenlicht konnte hinein, während die Kälte teilweise draußen blieb.
Man muss sich vor Augen halten: Die Römer entwickelten damit bereits Methoden, mit denen Pflanzen außerhalb ihrer normalen Saison kultiviert werden konnten.
Die Konstruktionen gelten als frühe Vorläufer moderner Gewächshäuser.
Sie entstanden aus einem durchaus außergewöhnlichen Grund: Ein Kaiser wollte seine tägliche Portion Gurke nicht aufgeben.
Doch die Gurke war im antiken Rom weit mehr als eine kaiserliche Marotte. Sie gehörte zum täglichen Leben, von der Medizin bis zur Küche.
Römische Ärzte verwendeten Gurkensaft unter anderem bei Beschwerden wie Fieber oder Hautproblemen. In den Thermen nutzten Kosmetikerinnen Gurkenbestandteile für Pflegeprodukte.
Auf den großen Märkten Roms war die Gurke beliebt und teilweise kostspielig. Wer regelmäßig frische Gurken essen konnte, zeigte damit auch seinen Wohlstand.
Die Römer entwickelten außerdem Methoden, Gurken in Salz und Essig einzulegen. Dadurch wurden die Früchte deutlich länger haltbar.
Die Idee, Gurken durch Konservierung aufzubewahren, ist damit sehr alt.
Kapitel 4: Gurken im Mittelalter und bei Karl dem Großen
Dann fiel Rom.
Mit dem Zusammenbruch des Weströmischen Reiches verschwand nicht nur eine politische Ordnung. Auch Handelswege verfielen und Wissen ging verloren.
Die rollenden Gewächshäuser des Tiberius gerieten ebenso in Vergessenheit wie viele andere Errungenschaften der römischen Landwirtschaft.
In den Jahrhunderten des frühen Mittelalters wurde die Gurke in Mittel- und Nordeuropa zu einem Nischenprodukt. Angebaut wurde sie vor allem von wenigen Kennern und in Klostergärten.
Dort überlebte ein Teil des Wissens über antike Pflanzen. Mönche kopierten alte Schriften und kannten dadurch auch Beschreibungen von Nutzpflanzen aus der römischen Zeit.
Karl der Große, einer der mächtigsten Herrscher des frühen Mittelalters, erließ eine Landgüterverordnung, das sogenannte „Capitulare de villis“.
Darin wurde detailliert festgelegt, welche Pflanzen auf den königlichen Gütern angebaut werden sollten. Unter den aufgeführten Gewächsen befanden sich auch Gurken.
Damit war es erneut ein Herrscher, der dazu beitrug, dass die Gurke in Europa erhalten blieb.
Trotzdem blieb sie im Mittelalter ein Nischenprodukt und war deutlich weniger verbreitet als Kohl, Rüben oder Lauch.
Erst im 15. und 16. Jahrhundert änderte sich das grundlegend. Neue Handelswege öffneten sich, der Kontakt mit dem Osmanischen Reich brachte neue Gurkensorten nach Europa und die Küche des Adels wurde vielfältiger.
Auch das Wort „Gurke“ tauchte in dieser Zeit in deutschen Texten auf. Es wurde aus dem Tschechischen übernommen.
Kapitel 5: Die Spreewaldgurke und Europas Aufstieg der Gurke
In der böhmischen Stadt Znaim, dem heutigen Znojmo, entwickelte sich ein bedeutendes Zentrum des Gurkenanbaus. Die dortigen Gurken wurden über lange Zeit zu einem regionalen Markenprodukt mit eigenen Sorten und speziellen Einlegerezepten.
Auch Kaiser Karl V. förderte den Anbau der Gurke. Seine Berater vermuteten sogar, dass sie einen gewissen Schutz gegen die Pest bieten könne.
Gegen die Pest half die Gurke natürlich nicht. Dennoch trugen solche Empfehlungen dazu bei, den Anbau zu verbreiten.
Eine Region wurde schließlich besonders eng mit der Gurke verbunden: der Spreewald im heutigen Brandenburg.
Die einzigartige Flusslandschaft mit ihren vielen Wasserarmen besitzt feuchte, humusreiche Böden und ein vergleichsweise mildes Klima. Diese Bedingungen sind ideal für das wärmeliebende Kürbisgewächs.
Slawische Siedler hatten dort bereits früh Gurken angebaut.
Der entscheidende Durchbruch kam jedoch später durch niederländische Siedler, die Gurkensamen und neue Anbaumethoden in die Region brachten.
Die niederländischen Sorten waren ertragreich und widerstandsfähig und eigneten sich hervorragend für die Böden des Spreewaldes.
Mit der Zeit wurde der Gurkenanbau zu einem der wichtigsten Wirtschaftszweige der Region.
Die Spreewaldgurke war geboren – lange bevor sie offiziell diesen Namen tragen sollte.
Doch die dramatischste Wendung in der Geschichte der Gurke spielte sich nicht auf einem Acker ab, sondern auf einem Schlachtfeld.
Kapitel 6: Napoleon und der Kampf gegen den Hunger
Napoleon Bonaparte stand während seiner Feldzüge vor einem Problem, das gravierender war als viele feindliche Armeen: die Versorgung seiner Soldaten.
Seine Truppen starben nicht nur durch Kugeln, Bajonette und Kanonen. Viele litten unter Hunger, Krankheiten und verdorbenen Lebensmitteln.
Auf langen Feldzügen durch Europa und bis nach Ägypten verdarben Lebensmittel innerhalb weniger Tage.
Brot schimmelte, Fleisch wurde ranzig und Gemüse verfault in den Versorgungswagen. Frisches Wasser war knapp und Krankheiten wie Skorbut stellten eine zusätzliche Gefahr dar.
Napoleons Armeen umfassten zeitweise mehrere hunderttausend Soldaten. Eine solche Streitmacht zu versorgen, war eine enorme logistische Herausforderung.
Napoleon erkannte, dass Kriege nicht nur mit Waffen gewonnen wurden, sondern auch mit Versorgung und Logistik.
Deshalb lobte er einen Preis von 12.000 Goldfranken für denjenigen aus, dem es gelingen würde, Lebensmittel dauerhaft haltbar zu machen.
Gesucht wurde eine Möglichkeit, tierische und pflanzliche Lebensmittel möglichst lange frisch zu erhalten.
Die Person, die dieses Problem schließlich löste, war kein Wissenschaftler, sondern ein Zuckerbäcker und Lebensmittelhandwerker aus Frankreich: Nicolas Appert.
Kapitel 7: Nicolas Appert erfindet die Konservierung
Nicolas Appert beschäftigte sich über viele Jahre mit der Frage, wie Lebensmittel vor dem Verderben bewahrt werden konnten.
Dabei stieß er auf Forschungsergebnisse des italienischen Gelehrten Lazzaro Spallanzani. Dieser hatte durch Experimente gezeigt, dass sich Mikroorganismen nach gründlichem Erhitzen und luftdichtem Verschließen einer Flüssigkeit nicht einfach weiter vermehren.
Appert verwandelte diese Erkenntnis in ein praktisches Verfahren.
In seiner Werkstatt experimentierte er mit verschiedenen Lebensmitteln, Temperaturen und Verschlüssen.
Schließlich füllte er Lebensmittel in dickwandige Glasflaschen, erhitzte sie und verschloss die Flaschen anschließend luftdicht mit Korken und Draht.
Das Ergebnis war beeindruckend: Obst, Gemüse, Fleisch und Brühen konnten über lange Zeit haltbar gemacht werden.
Die französische Marine testete Apperts Konserven auf langen Seereisen. Einige Glasbehälter zerbrachen zwar während der Reise, doch die Lebensmittel in den unversehrten Flaschen blieben genießbar.
Apperts Verfahren war ein entscheidender Schritt in der Entwicklung der modernen Lebensmittelkonservierung.
Er erhielt schließlich die ausgelobte Belohnung und wurde für seine Erfindung ausgezeichnet.
Die Konservierung zunächst in Glasflaschen und später in stabileren Blechdosen veränderte innerhalb weniger Jahrzehnte die Kriegsführung, die Seefahrt und schließlich die gesamte Art und Weise, wie Menschen Lebensmittel aufbewahren.
Und auch die Gurke profitierte unmittelbar davon.
Kapitel 8: Wie eingelegte Gurken die Welt eroberten
Eingelegte Gurken, Cornichons und Gewürzgurken gehörten zu den Gemüsearten, die besonders von den neuen Konservierungsmethoden profitierten.
Die Kombination aus Essig, Salz und Erhitzung machte die Gurke ideal für eine langfristige Lagerung.
Was früher innerhalb weniger Tage auf dem Feld oder im Vorratsraum verdarb, konnte nun über Monate und teilweise sogar Jahre aufbewahrt werden.
Eingelegte Gurken waren damit nicht nur ein Lebensmittel, sondern auch ein praktischer Bestandteil der Versorgung.
Die Konservierung wurde zum Startschuss für die weitere Entwicklung des kommerziellen Gurkenanbaus.
Im 19. Jahrhundert verbreiteten sich Gewächshäuser über Europa. Vor allem in Großbritannien experimentierten wohlhabende Landbesitzer mit beheizten Glashäusern.
Später wurde die Technik auch in anderen Ländern eingesetzt.
Gurken, die zuvor hauptsächlich in den Sommermonaten verfügbar waren, konnten nun unter Glas angebaut und über einen wesentlich längeren Zeitraum geerntet werden.
In den Niederlanden, Spanien und Polen entstanden größere kommerzielle Anbauflächen.
Die Gewächshausgurken erzielten besonders hohe Preise, weil sie lang, schlank und möglichst makellos waren.
Die Technologie, die einst für einen römischen Kaiser entwickelt worden war, wurde damit zu einem wichtigen Teil der modernen Landwirtschaft.
Kapitel 9: Die Spreewaldgurke als deutsche Ikone
In Deutschland wurde der Spreewald endgültig zu einem Zentrum der Gurkenkultur.
Die Spreewaldgurke entwickelte sich zu einem der bekanntesten Gemüseprodukte Ostdeutschlands.
Sie überlebte politische Umbrüche, zwei Weltkriege und verschiedene Staatsformen.
Während der DDR-Zeit produzierte der volkseigene Betrieb Spreewaldkonserve Gurken für den Osten Deutschlands.
Es gab Senfgurken, Gewürzgurken und Salzgurken – hergestellt aus den Erzeugnissen der Region.
Die Spreewaldgurke gehörte zu den wenigen Lebensmitteln aus der DDR, die auch im Westen einen gewissen Bekanntheitsgrad besaßen.
Nach der Wiedervereinigung verschwand vieles aus den ehemaligen DDR-Regalen. Die Spreewaldgurke jedoch blieb.
Später erhielt sie den Schutz als geschützte geografische Angabe der Europäischen Union.
Damit darf die Bezeichnung nur für Gurken verwendet werden, die nach bestimmten Vorgaben in der Spreewaldregion verarbeitet werden.
Rund um den Spreewald werden bis heute Gurken nach traditionellen Rezepturen eingelegt. Typische Zutaten sind Dill und verschiedene Kräuter und Gewürze.
Ein Teil dieser Rezepte wird über Generationen weitergegeben.
Kapitel 10: Globale Ernte und deutsche Gurkenliebe
Die weltweite Gurkenproduktion ist heute enorm.
Jährlich werden weltweit viele Millionen Tonnen Gurken geerntet. China ist mit großem Abstand der wichtigste Produzent und stellt einen überwältigenden Anteil der weltweiten Ernte.
Zu den größten europäischen Produzenten gehören unter anderem Spanien und Polen.
Deutschland ist zwar ein Land mit einer ausgeprägten Gurkenliebe, spielt beim Anbau im internationalen Vergleich aber eine vergleichsweise kleine Rolle.
Ein großer Teil der in Deutschland gegessenen Gurken wird importiert, unter anderem aus den Niederlanden, Spanien und der Türkei.
Pro Kopf werden in Deutschland mehrere Kilogramm frische Salat- und Einlegegurken pro Jahr gegessen. Hinzu kommen Gewürzgurken aus dem Glas und Cornichons.
Damit gehört die Gurke zu den beliebtesten Gemüsesorten des Landes.
Kapitel 11: Nährstoffe, Sprache und das Geheimnis der Gurke
Was steckt eigentlich in diesem Gemüse, das Kaiser begeisterte und die Geschichte der Lebensmittelkonservierung mitprägte?
Auf den ersten Blick erstaunlich wenig: Die Gurke besteht zu rund 97 Prozent aus Wasser und enthält nur wenige Kalorien.
Eine Gurke mit etwa 300 Gramm bringt es auf nur ungefähr 40 Kalorien.
Botanisch gesehen ist die Gurke außerdem keine klassische Gemüsefrucht, sondern eine Beere. Sie gehört zu den Kürbisgewächsen und ist damit mit Kürbis und Wassermelone verwandt.
In den verbleibenden Bestandteilen finden sich unter anderem Kalium, Vitamin K, verschiedene B-Vitamine und Vitamin C.
Ein Teil der wertvolleren Inhaltsstoffe sitzt direkt in oder unter der Schale. Wer die Gurke schält, entfernt deshalb auch einen Teil dieser Bestandteile.
In der Gurkenschale befinden sich außerdem Bitterstoffe wie Cucurbitacine.
Diese Stoffe können bei sehr bitteren Gurken in hoher Konzentration unangenehm sein. Stark bitter schmeckende Gurken sollte man deshalb lieber nicht essen.
Bei modernen Züchtungen kommt eine ausgeprägte Bitterkeit allerdings nur noch selten vor.
Die Gurke hat außerdem einen festen Platz in der deutschen Sprache gefunden – allerdings nicht immer im positiven Sinn.
Eine schlechte Fußballmannschaft kann als „Gurkentruppe“ bezeichnet werden. Eine langweilige Veranstaltung ist eine „Gurkenveranstaltung“.
Auch die Bezeichnung „saure Gurkenzeit“ ist bekannt. Sie beschreibt eine eher ereignisarme Zeit, ursprünglich in Verbindung mit der Zeit der Gurkenernte und des Einlegens.
In Österreich und Bayern existieren regionale Bezeichnungen wie „Kümmerling“ oder „Umurke“.
Das Wort „Gurke“ selbst wurde im Deutschen über das Tschechische übernommen.
Damit reicht auch die Geschichte des Wortes weit zurück und zeigt erneut, wie stark die Gurke mit den Handels- und Kulturwegen Europas verbunden ist.
Was steckt eigentlich in diesem Gemüse, das Kaiser begeisterte und die Geschichte der Lebensmittelkonservierung mitprägte?
Auf den ersten Blick erstaunlich wenig: Die Gurke besteht zu rund 97 Prozent aus Wasser und enthält nur wenige Kalorien.
Eine Gurke mit etwa 300 Gramm bringt es auf nur ungefähr 40 Kalorien.
Botanisch gesehen ist die Gurke außerdem keine klassische Gemüsefrucht, sondern eine Beere. Sie gehört zu den Kürbisgewächsen und ist damit mit Kürbis und Wassermelone verwandt.
In den verbleibenden Bestandteilen finden sich unter anderem Kalium, Vitamin K, verschiedene B-Vitamine und Vitamin C.
Ein Teil der wertvolleren Inhaltsstoffe sitzt direkt in oder unter der Schale. Wer die Gurke schält, entfernt deshalb auch einen Teil dieser Bestandteile.
In der Gurkenschale befinden sich außerdem Bitterstoffe wie Cucurbitacine.
Diese Stoffe können bei sehr bitteren Gurken in hoher Konzentration unangenehm sein. Stark bitter schmeckende Gurken sollte man deshalb lieber nicht essen.
Bei modernen Züchtungen kommt eine ausgeprägte Bitterkeit allerdings nur noch selten vor.
Die Gurke hat außerdem einen festen Platz in der deutschen Sprache gefunden – allerdings nicht immer im positiven Sinn.
Eine schlechte Fußballmannschaft kann als „Gurkentruppe“ bezeichnet werden. Eine langweilige Veranstaltung ist eine „Gurkenveranstaltung“.
Auch die Bezeichnung „saure Gurkenzeit“ ist bekannt. Sie beschreibt eine eher ereignisarme Zeit, ursprünglich in Verbindung mit der Zeit der Gurkenernte und des Einlegens.
In Österreich und Bayern existieren regionale Bezeichnungen wie „Kümmerling“ oder „Umurke“.
Das Wort „Gurke“ selbst wurde im Deutschen über das Tschechische übernommen.
Damit reicht auch die Geschichte des Wortes weit zurück und zeigt erneut, wie stark die Gurke mit den Handels- und Kulturwegen Europas verbunden ist.
Kapitel 12: Ausklang
Was sagt die Geschichte der Gurke am Ende aus?
Vielleicht vor allem eines: Die spannendsten Geschichten verstecken sich oft in den unscheinbarsten Dingen.
Eine bittere, stachelige Wildpflanze am Südhang des Himalaya wurde zum Lieblingsgemüse eines römischen Kaisers. Für ihn entwickelten seine Gärtner frühe Formen geschützter Pflanzenkultur.
Die Gurke überlebte den Untergang Roms und wurde in mittelalterlichen Klostergärten bewahrt. Sie tauchte in der Landgüterverordnung Karls des Großen auf, wurde in Europa weiter verbreitet und schließlich zu einer regionalen Spezialität des Spreewaldes.
Sie fand ihren Platz in den Feldrationen von Soldaten und profitierte von den neuen Möglichkeiten der Lebensmittelkonservierung.
Aus einer kleinen Wildpflanze wurde ein global angebautes Gemüse.
Von den uralten Samenfunden in Südostasien bis zur modernen Massenproduktion reicht eine Geschichte, die Tausende von Jahren umfasst.
Die Gurke ist heute alltäglich und wird oft kaum beachtet. Doch hinter dieser unscheinbaren Frucht steckt eine erstaunliche Geschichte über Handel, Landwirtschaft, Medizin, Technik, Ernährung und Kultur.
Wenn man das nächste Mal im Supermarkt achtlos eine Gurke in den Einkaufswagen legt, lohnt es sich vielleicht, kurz innezuhalten.
Kaiser, Feldherren, Bauern und Erfinder haben mit diesem Gemüse Geschichte geschrieben.
Das ist die Reise der Gurke.
Was sagt die Geschichte der Gurke am Ende aus?
Vielleicht vor allem eines: Die spannendsten Geschichten verstecken sich oft in den unscheinbarsten Dingen.
Eine bittere, stachelige Wildpflanze am Südhang des Himalaya wurde zum Lieblingsgemüse eines römischen Kaisers. Für ihn entwickelten seine Gärtner frühe Formen geschützter Pflanzenkultur.
Die Gurke überlebte den Untergang Roms und wurde in mittelalterlichen Klostergärten bewahrt. Sie tauchte in der Landgüterverordnung Karls des Großen auf, wurde in Europa weiter verbreitet und schließlich zu einer regionalen Spezialität des Spreewaldes.
Sie fand ihren Platz in den Feldrationen von Soldaten und profitierte von den neuen Möglichkeiten der Lebensmittelkonservierung.
Aus einer kleinen Wildpflanze wurde ein global angebautes Gemüse.
Von den uralten Samenfunden in Südostasien bis zur modernen Massenproduktion reicht eine Geschichte, die Tausende von Jahren umfasst.
Die Gurke ist heute alltäglich und wird oft kaum beachtet. Doch hinter dieser unscheinbaren Frucht steckt eine erstaunliche Geschichte über Handel, Landwirtschaft, Medizin, Technik, Ernährung und Kultur.
Wenn man das nächste Mal im Supermarkt achtlos eine Gurke in den Einkaufswagen legt, lohnt es sich vielleicht, kurz innezuhalten.
Kaiser, Feldherren, Bauern und Erfinder haben mit diesem Gemüse Geschichte geschrieben.
Das ist die Reise der Gurke.
Vollständige Ausarbeitung in PDF-Format im Mitglieder Bereich inkl. Aktivierungsideen
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